Im Interview: Dr. Markus Bolhàr-Nordenkampf, Valmet Director für Energy Sales and Service Operations

„Industrie 4.0 hat einen neuen Boost ausgelöst“

Valmet ist heute ein renommierter, finnischer Konzern. Wie kam der Erfolg zustande und welche Historie hat das Unternehmen in Österreich?

Valmet GesmbH wurde im Jahr 1978 in Wien gegründet. Die Geschichte der finnischen Firma reicht aber bis ins 18 Jahrhundert zurück. Beginnend von einem Schiffsbauunternehmen entwickelte sich die Firma über die Jahrzehnte durch zahlreiche Akquisitionen zum einem internationalen Unternehmen mit 3,1 Mrd€ Umsatz und über 12.500 Mitarbeitern. Valmet ist in vier Geschäftsbereiche in fünf geografischen Regionen organisiert. Die Services Business Line bietet Walzenservice, Ersatzteile, Gewebe und Lebenszyklus-Dienstleistungen. Valmet betreut mehr als 2000 Zellstoff- und Papierfabriken weltweit. Die Zellstoff- und Energiesparte bietet Technologien und Lösungen für die Prozessausrüstungen von Zellstofffabriken, unsere Energielösungen umfassen z.B. Kessel zur thermischen Umwandlung von Biomasse und Reststoffen. Der Papierbereich liefert komplette Karton, Tissue und Papierproduktionslinien sowie das dazugehörige Service.  Der Automations-Geschäftsbereich bietet Automatisierungslösungen von Einzelmessungen bis hin zu ganzen Prozessautomatisierungssystemen.

Der Standort Wien wurde als Verkaufsbüro für Papier-, Board- und Tissuemaschinen gegründet. Auch die der Bereich Automation spielte bald eine entscheidende Rolle. Die Firma ist im Laufe der Jahre von 2 Personen auf fast 50 Personen angewachsen. Sicher spielte in diesem Wachstum die zentrale Lage Wiens, als Hub für Osteuropa eine wichtige Rolle. Hauptverkaufsgebiet von Valmet GesmbH ist Central- und Osteuropa und erstreckt sich abhängig von Produktbereich auf bis zu 20 Europäische Länder. Zu unseren Kunden zählen genauso öffentlichen Gemeinden im Energiebereich, wie auch private Investoren und internationale Konzerne für Papierherstellung.

Seit nun zwei Jahren sind wir mit allen Bereichen an einem Standort in Wien vertreten.

Vor wenigem Wochen fand die Jahreskonferenz Valmet Days in Wien statt. Hunderte Kunden kamen extra dafür angereist. Welchen Stellenwert hatte dieser Event für Österreich?

Die Valmet Customer Days finden immer in einer anderen Stadt statt. Diesmal wurde Wien ausgewählt, wohl auch weil Wien am Schnittpunkt zwischen West und Ost liegt. Dennoch fokussieren die Valmet Customer Days nicht nur auf regionale sondern auch auf internationale Kunden. So waren dieses Jahr 216 Kunden aus 41 Nationen zu Gast in Wien. Der Fokus war auf Papier, Zellstoff, Energy und Automation gelegt. Wobei das Thema Industrie 4.0 und der Dialog mit den Daten im Vordergrund stand. Unsere Kunden standen dabei im Mittelpunkt und habe Ihre Erfahrungen mit Valmet präsentiert. Valmet hat das erste Mal auch virtuelle Referenzbesuche und das Valmet Performance Center vorgestellt.

Betrachtet man die einzelnen, unterschiedlichen Geschäftssparten – welche Trends sind hier zu beobachten?

Im Bereich Energie ist die Tendenz zu erkenne, die anfallenden Reststoffströme möglichst vollständig zu nutzen und hier geschlossene integrierte Kreisläufe zu gestalten. Hier ist derzeit vor allem von der Papier- und Zellstoff Industrie eine starke Nachfrage zu bemerken. Aufgrund des weiteren niedrigen Strompreises und der veränderten Förderlandschaft gestalten sich die Neuanlagenprojekte die rein auf die Strom- und Wärmeproduktion aus Biomasse abzielen als schwierig. Wir sehen aber einen hohe Interesse an unseren Angeboten zur Erweiterung des Brennstoffbandes oder aber zur Optimierung der Anlagen.

Im Bereich Papier- und Zellstoffindustrie ist zunehmend die Tendenz weg von Plastik hin zu erneuerbaren Ressourcen spürbar. Gerade der Bereich der plastikfreien Verpackungen hat in den letzten Jahren und wird weiterhin einen Aufschwung erfahren. Ebenso ist dies in der Zellstoffindustrie zu spüren: die natürliche Faser in vielerlei Facetten ersetzt mehr und mehr synthetische Produkte. Im Servicebereich, speziell den Umbauten für die Industrie verlangen die Unternehmen Verbesserungen ihrer Prozesse zu mehr effizienteren Lösungen hinsichtlich Rohstoffeinsatz und Energieverbrauch. Weiters finden mehr und mehr Prozesse hinsichtlich Sicherheit und Automatisierung Anwendung.

In Bereich der Automation ist das Thema Industrie 4.0 und die Digitalisierung der Services ein große Thema.

Als Technologiekonzern propagiert Valmet sehr stark das Thema Industrial Internet/ Industrie 4.0. Über welchen Entwicklungsstand können Sie uns berichten?

Valmet war immer schon ein Vorreiter in digitalen Lösungen. Wenn auch Industrial Internet/ Industrie 4.0 einen neuen Boost ausgelöst hat, sowohl von den technischen Möglichkeiten als auch der Kundenakzeptanz. Damit haben wir unsere Kapazitäten und technischen Möglichkeiten – unter anderen mit Big Data Analyses, Augmented Reality, Cloud Based solutions … – weiterentwickelt, um unser Technologiekompetenz nun auch Remote, von 5 Valmet Performance Center für Pulp, Paper, Tissue, Energy und Automation unseren Kunden bereit zu stellen. Unser Ziel ist etablierte Valmet Prozess- und Anlagenkompetenz mit den Möglichkeiten modernster, digitalen Werkzeuge Orts- und Zeitunabhängig unseren Kunden bereit zu stellen und neue Wege der Zusammenarbeit zu eröffnen.

Zu Valmet

Valmet verfügt über 200 Jahre Industriegeschichte. Die Geschichte von Valmet geht den ganzen Weg zurück zu den 1750er Jahren, damals wurde eine kleine Werft in der Viapori Festung auf den Inseln außerhalb Helsinki gegründet. Valmet ist in vier Geschäftsbereiche in fünf geografischen Regionen organisiert. Die Services Business Line bietet Walzenservice, Ersatzteile, Gewebe und Lebenszyklus-Dienstleistungen. Valmet betreut mehr als 2000 Zellstoff- und Papierfabriken weltweit.  Das bedeutet, dass jährlich mehr als die Hälfte der weltweit 3 ​​800 Zellstoff- und Papierfabriken Dienstleistungen von Valmet kaufen. Die Zellstoff- und Energiesparte liefert Technologien und Lösungen für die Zellstoff- und Energieproduktion, sowie für die Umwandlung von Biomasse. Die Zellstoff-Projekte reichen von der Prozessausrüstungslieferungen bis hin zu kompletten Zellstofffabriken. Valmet Energielösungen umfassen z.B. Biomasse Kraft-Wärme Kopplungen und Kraftwerke im erneuerbaren Bereich sowie neue Biomasse-Umwandlungstechnologien. Der Papier-Geschäftsbereich liefert komplette Karton, Tissue und Papierproduktionslinien und Maschinenerneuerungen. Der Automations-Geschäftsbereich liefert Automatisierungslösungen im Bereich von Einzelmessungen bis hin zu kompletten Prozessautomatisierungs-systemen. Der Fokus liegt dabei auf der Zellstoff- und Papier und anderen Prozessindustrien, der Energieerzeugung, der Marine, sowie dem Öl und Gasbereich.

Valmet hatte in 2017 eine Umsatz von 3,1 Milliarden Euro bei einer Mitarbeiteranzahl von über 12.500 Fachkräften.

Zur Person 

Dr. Markus Bolhar-Nordenkampf, ist Director für Energy Sales and Service Operations und in seiner Funktion von Wien aus für 23 Europäische Länder für den Vertrieb und den Service von Energieablagen zuständig. Er hat an der TU-Wien in Verfahrenstechnik promoviert und hält ein MBA ein General Management. Seine Karriere hat er im industriellen Großanlagenbau zugebracht in der er zahlreiche leitende Funktionen besetzt hat. Seit 2012 ist er in Valmet für die Region Central Europe North für den Energiebereich, das Corporate Key Account Management für Mondi für alle Geschäftsfelder und als Vorsitzender des Vorstandes der Valmet d.o.o. in Kroatien für den Betrieb eines Biomassekraftwerkes zuständig.

By |2019-01-23T18:34:44+00:0023.01.2019|0 Comments

Frohe Weihnachten und viel Erfolg im Jahr 2019!

Liebe Mitglieder und Freunde der FINNCHAM Austria,

FINNCHAM Austria wünscht allen Mitgliedern, Partnern und Freunden der FINNCHAM besinnliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2019.

Wir bedanken uns, dass Sie uns im Jahr 2018 begleitet haben und freuen uns schon auf die zahlreichen Kooperationen und Veranstaltungen im kommenden Jahr. Einen Überblick über die Highlights dieses Jahres finden Sie bitte auf unserer Webseite: https://finncham.at/gallery/

Herzliche Grüße,
Ystävällisin terveisin

Der Vorstand
FINNCHAM Austria

By |2018-12-23T23:58:47+00:0023.12.2018|0 Comments

Kurier: Wirtschaftspreis Finnland Österreich 2018

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By |2018-11-27T18:52:13+00:0027.11.2018|0 Comments

Rückblick: EcoTalk 13.11.2018

EcoTalk ist ein gemeinsames Veranstaltungsformat der Botschaft von Finnland, FINNCHAM Austria und der Sylvi Kekkonen Stiftung.

Der zweite EcoTalk 2018 fand am 13. November zum hochaktuellen Thema „Disruption oder Transformation? – wie strategische Veränderungen die Digitalisierung in der Industrie beschleunigen“ statt. Veranstaltungsort war die Residenz des Finnischen Botschafters in Wien.

Als Diskutanten fungierten Experten finnischer wie österreichischer Unternehmen: Sabine Lutz (Regional Sales Manager Europe, Nokia), Manfred Heger (Innovation & Portfolio Manager, Wienerberger) und Christian Hofmann (Topic Owner Industrie, Manufacturing u. Forstwirtschaft, Tieto). Alle drei Manager sprachen nicht nur über Trends und neue Technologien, sondern präsentierten auch konkrete Beispiele für neue, innovative Produkte und Geschäftsmöglichkeiten. Als Moderator fungierte Honorarkonsul Ferdinand E. Auersperg. Die Diskussion stieß auf reges Interesse, es gab zahlreiche Fragen und Anregungen aus dem Publikum. Die positive Stimmung des Abends wurde durch mehrere, sehr lebendige musikalische Darbietungen des Finnischen Pianisten Johannes Piirto zusätzlich aufgeladen.

Bei informellem Networking, hochwertigen Gesprächen und begleitet von einem Imbiss und Getränken klang die Veranstaltung am frühen Abend aus.

 

By |2018-11-27T17:06:08+00:0027.11.2018|0 Comments

Rückblick: Firmenpräsentation Pöyry Austria am 17.10.2018

Die Mitglieder von FINNCHAM Austria waren am 17.10.2018 bei Pöyry Austria, der österreichischen Tochtergesellschaft der finnischen Pöyry Gruppe, zu Besuch.

Pöyry liefert intelligente und nachhaltige Consulting- und Engineering-Lösungen für den Energie-, Industrie- und Infrastrukturbereich. Das Service Portfolio von Pöyry umfasst Management Consulting sowie den gesamten Projektzyklus von Projektplanung und -implementierung bis zur Unterstützung im Anlagenbetrieb.  Einer der Schwerpunkte von Pöyry Österreich ist die internationale Wasserkraft und Wasserwirtschaft. Die Dienstleistungen im Bereich der Digitalisierung, der Anpassung an den Klimawandel und der Ressourceneffizienz gewinnen hier zusehends an Bedeutung.

Zu Beginn des Abends hielt Botschafter Hannu Kyroläinen eine Willkommensrede. Danach gab es einen hochinteressanten Vortrag von Pöyry Österreich Geschäftsführer Thomas Kriesch über die Geschichte, Mission und die aktuelle Projektlandschaft des Unternehmens. Pöyry verfügt über ein beeindruckendes Portfolio von Projekten rund um den Globus, in die Ernst Zeller (Prokurist, Leiter Hydro / Global Head Marketing and Sales Hydropower and Renewables) sowie Martin Fuchs (Leiter Wasserwirtschaft) den Gästen einen tieferen, spannenden Einblick gaben.

Es war besonders interessant für die Teilnehmer zu hören, wie Pöyry seinen Kunden hilft, Herausforderungen zu meistern, die sich beispielsweise aus Umweltkrisen infolge des Klimawandels ergeben.

Anschließen gab es die Möglichkeit für Networking. Und so endete der Abend mit intensiven Gesprächen, bei Getränken und Buffet.

By |2018-11-07T17:25:41+00:0029.10.2018|0 Comments

Preisverleihung Wirtschaftspreis Finnland Österreich 2018

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KOOPERATIONSPARTNER

Die Sieger sind Planmeca Group/ Plandent sowie ScanLang

Die Preisträger des diesjährigen Wirtschaftspreises wurden am 9. Oktober 2018 im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in der Residenz des finnischen Botschafters geehrt. Ziel ist es, erfolgreiche und innovative Unternehmen hervorzuheben, die positive Impulse für die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern setzen. Der Preis wurde von der Finnischen Botschaft und der FINNCHAM Austria gemeinsam verliehen. Die Jury bestand aus Mitgliedern der Botschaft, FINNCHAM Austria, Business Finnland, sowie dem Honorarkonsulat für Wien/Niederösterreich.

Nach einer Willkommensrede von Botschafter Hannu Kyröläinen wurden zuerst die Kooperationspartner der Veranstaltung vorgestellt: Die Austrian Business Agency (ABA), das Hotel Bristol Wien, die Seniorenresidenz Josefstadt sowie die Mode- und Textilkette Schustermann & Borenstein. Alle vier Unternehmen brachten eine kurze Unternehmensvorstellung.

Der nächste Höhepunkt des Abends war ein Impulsreferat der Honorarkonsulin für die Steiermark, Dr. Cattina Leitner. Die Honorarkonsulin lieferte nicht nur interessante Zahlen und Fakten, sie wies auch auf Besonderheiten wie Gemeinsamkeiten zwischen Finnland und Österreich auf sehr inspirierende Weise hin.

Anschließend wurden die Preisträger 2018 von Anna Ahlbom, Vizepräsidentin der FINNCHAM Austria bekannt gegeben:

  • Planmeca Group / Plandent GmbH in der Kategorie „Finnisches Unternehmen mit Niederlassungen oder Standorten in Österreich“. Der Preis wurde an die Geschäftsführerin Alexandra Lacek-Cipone und den Produktmanager Kaddour Berkani übergeben.
  • ScanLang GmbH in der Kategorie „Ein Unternehmen, das finnische Produkte oder Dienstleistungen in Österreich verkauft“. Der Preis ging an Geschäftsführerin Katja Jääskeläinen und Executive Partner Franz Michael Bauer.

Danach wurde der Abend durch Networking und bei Getränken sowie feinen Canapes beendet.

Knapp 50 FINNCHAM-Mitglieder und Ehrengäste der Botschaft nahmen an der Veranstaltung teil.

By |2018-11-07T16:45:10+00:0021.10.2018|0 Comments

Rückblick: Netzwerkabend mit ScanLang am 25.9.2018

Nach der Sommerpause haben wir uns im Rahmen eines gemütlichen Netzwerkabends im Bistro König wieder getroffen. Die Geschäftsführerin der ScanLang GmbH, Katja Jääskeläinen, hielt einen Kurzvortrag über die Services Ihres Unternehmens und über das Feedback-Messungsgerät HappyOrNot ®, für das ScanLang der offizielle Händler in Österreich ist. Danach wurde bei entspanntem Plaudern Ideen und Erfahrungswerte ausgetauscht.

By |2018-11-07T16:44:35+00:0001.10.2018|0 Comments

Wir heißen ab sofort Handelskammer Finnland Österreich / Finncham Austria

Rechtzeitig vor dem 50-jährigen Vereinsjubiläum im nächsten Jahr bekommen wir einen neuen Vereinsnamen: „Handelskammer Finnland Österreich“. Im Außenauftritt nennen wir uns „Finncham Austria“. Damit unterstreichen wir unsere Zugehörigkeit zum internationalen Netzwerk der Finnischen Handelskammern. Während der Sommermonate wird der Relaunch vollzogen. Ab dem 3.September 2018 erscheinen wir in neuem Design.

PS: ab dem 5. Juli 2018 haben wir zudem eine neue Büroadresse: c/o Business Finland, Opernring 5, Stiege 2, 6.Stock, 1010 Wien.

By |2018-11-07T16:44:44+00:0018.07.2018|0 Comments

„Finnland steht für gute Bildung und starke Marken“
Im Interview: Eveline Steinberger-Kern

Sie waren Managerin auf Konzernebene, sind heute eine internationale Erfolgsunternehmerin, speziell im Startup- Umfeld. Wie kam es dazu?

Ich bin eine sehr neugierige Person, suche immer nach der nächsten Herausforderung. Insofern war die Zeit nach 15 Jahren Konzernerfahrung reif für Entrepreneurship, umso mehr als ich bei Siemens damals  u.a. für die  Projektentwicklung von Photovoltaik und Smart Grids verantwortlich war. Mein erstes Unternehmen/Startup habe ich dann 2014 in Israel gegründet. Für mich bietet dieses Land das perfekte Ökosystem für Tech-Innovationen. Die Foresight, so heißt das AI energy Startup, ist heute in 5 Märkten tätig und wird weiter expandieren.

Was konkret bietet ihr Unternehmen an? Auf welche Bereiche sind Sie spezialisiert? Wer ist Ihre Zielgruppe?

Blue Minds ist so eine Art Company-Builder. Wir sind auf Business Model Innovation im Energietransformationsprozess fokussiert. Suchen also nach neuen innovativen Geschäftsmodellen im Bereich Renewables, Electric Mobility, Smart Grids oder Energy Storage. Drei Unternehmungen haben wir bislang selbst gegründet und mit aufgebaut: Foresight, 12Energy und Energy Hero. Letzteres ist gerade im Verkaufsprozess. Daneben investieren wir auch in Frühphasen-Startups. Wir bringen „smart money“, das heißt, wir bringen auch unsere Industrieerfahrung und unser Netzwerk mit ein. Und schließlich haben wir WeXelerate mit aufgebaut – CEE´s größtes Innovationhub in der Praterstraße 1.

Neben diversen Aufsichtsratsfunktionen sind Sie im Beirat von WeXelerate. Können Sie die besonderen Vorteile dieser Einrichtung näher beschreiben?

WeXelerate ist Wiens erster und noch einziger Innovationhub dieser Dimension. Auf 9.000 m2 haben wir im Herzen von Wien ein Einkaufshaus der Innovationen geschaffen. Investoren, Startups, Industrieunternehmen und diverse Servicepartner teilen sich das Haus und arbeiten sektorübergreifend an den Herausforderungen der digitalen Transformation. WeXelerate managt und koordiniert dieses wunderbare Ökosystem. Neben den neuesten Innovationstools bekommen die mitwirkenden Industrieunternehmen auf ihre Innovationsbedürfnisse zugeschnitten, internationale Startups für die Zusammenarbeit präsentiert. Zweimal pro Jahr absolvieren wir mit je rund internationalen 50 Startups einen Accelerator in den Themenfeldern AI, AR, VR, Blockchain, Cybersecurity big data usw., um die Startups bei ihrem Weg in den Markt zu unterstützen.

Der große Mehrwert ist ein perfektes Matching von etablierter Industrie mit neuen, agilen Tech-Startups basierend auf einem one-stop-shop Konzept. Open Innovation wird dort zur täglichen Praxis.

Wie sehen Sie grundsätzlich die startup-szene Szene in Österreich? Welche Herausforderungen und Trends sind zu erwarten? 

Im internationalen Vergleich ist die österreichische Startup-Szene noch klein und jung. Aktivitäten, wie WeXelerate, werden aber stark dazu beitragen, die Startup-Entwicklung zu beschleunigen. Gerade die engere Vernetzung mit Universitäten und Forschungseinrichtungen gehört in Österreich in vielen Themenfeldern noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Hierzulande gibt es wesentlich weniger Spin-Outs als in den führenden Innovationsnationen. Die großen Trends unterscheiden sich hierzulande nicht von jenen die global zu sehen sind: Künstliche Intelligenz überall, sog. Transparently Immersive Experiences – also das Verschwimmen von Menschen, Unternehmen und Dingen sowie digitale Plattformen. Für Unternehmen heißt es unabhängig davon, in welchem Sektor sie tätig sind, sich diesen Innovationen zu widmen. Das Überleben bzw. ein Wachstum darüber, ist einfach wesentlich wahrscheinlicher.

Können Sie Vergleiche zur Startup-Szene in anderen Teilen Europas, und speziell zu Finnland ziehen?

Finnland hat Slush. Das ist toll und eines der führenden Startup-Events weltweit. Das zieht top-tier Investoren an, das zieht Talente an und, das unterstützt die Industrie, die darauf aufmerksam wird. Zudem weist Finnland in den Tech-Feldern enorm gut ausgebildete junge Menschen auf. Wir sind ja hier in Wien auch schon mit einigen dieser in Kontakt und wollen sie in unser Ökosystem bringen. In Europa fasziniert mich weiters die Startup-Szene in Berlin – sehr professionell und dynamisch. Und dann natürlich Paris. Die Stadion-F wirkt weit über die französischen Grenzen hinaus. Tja, da gilt es hier in Wien am Ball zu bleiben und die Kräfte zu bündeln. Aber das sind wir ja mit WeXelerate auf einem sehr guten Weg.

Zum Abschluss ganz generell gefragt: Welche drei Dinge assoziieren Sie mit Finnland?

  • gut ausgebildete junge Menschen
  • starke erfolgreiche Brands, wie Fortum, Kone, Fiskars, Linux, Marimekko, Angry Birds, Sauna
  • kaltes Wetter

Zur Person

Eveline Steinberger-Kern, 1972 geboren in der Obersteiermark, ist Unternehmerin. Im Frühjahr 2014 hat sie die The Blue Minds Company GmbH gegründet, die sich mit den Fragestellungen der globalen Energietransformation auseinandersetzt, neue Geschäftsmodelle entwickelt und in Startups investiert. Davor war sie gut 20 Jahre in verschiedenen führenden Managementpositionen in der Energiewirtschaft und Industrie beschäftigt. Sie baute u.a. das Endkundengeschäft von VERBUND auf und leitete das Energiegeschäft für Siemens in CEE. Seit 2014 hat sie selber drei Unternehmen im Bereich digitaler Energieservices in Wien und Tel Aviv gegründet und entwickelt.

Neben den eigenen Gründungen ist sie seit 2014 auch Beteiligungen eingegangen und begleitet als Advisor Startups in den Regionen D/A/CH/CEE, Israel und den USA bei deren Markteintritt. Darunter etwa has-to-be, Visotech, bgood, WeAreDevelopers, grid singularity, Solarpaint,
Chakratec, Keepers, EnLedger oder Solarheap. Seit 2014 wurden dabei mehr als 60 neue Arbeitsplätze im In- und Ausland geschaffen.

Eveline Steinberger-Kern hat in Graz an der Karl-Franzens-Universität in Wirtschaftswissenschaften promoviert.
In Wien hat sie den Innovationhub WeXelerate mitinitiiert und mit aufgebaut. Dieser eröffnete im Herbst 2017 seine Pforten in der Praterstraße 1. Seit Sommer 2017 leitet sie das Advisory Board und seit Beginn dieses Jahres auch den Aufsichtsrat der WeXelerate. Weitere Aufsichtsrats- und Beiratsmandate hält sie in der Bank Austria Unicredit in Wien und KGAL in München. Bei Manageers, Startup Leitner und Female Founders ist sie Mentorin.

Privat ist sie seit 2009 mit Christian Kern, Ex-Bundeskanzler der Republik Österreich verheiratet. Gemeinsam haben sie eine 10-jährige Tochter.

By |2018-05-29T18:04:07+00:0029.05.2018|0 Comments
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