Interview mit Heikki Kyöstilä & Gerald Dorn – Planmeca

Interview mit Heikki Kyöstilä, Gründer und Präsident von Planmeca Group, und Gerald Dorn, Geschäftsführer von Plandent Österreich

FINNCHAM :Heikki Kyöstilä, Sie haben ein erfolgreiches globales Geschäft von Null an ausgebaut und damit Unternehmer überall der Welt inspiriert. Können Sie bitte erzählen, wie alles anfing?

Heikki Kyöstilä: Ich begann meine Karriere 1965 als Handelsvertreter bei einem finnischen Unternehmen für Dentalbedarf und lernte auf diese Weise schon früh Zahnpraxen und -kliniken sowie deren Ausstattung kennen. Ich hatte bemerkt, dass sich vor allem die Patientenstühle mit einfachen Maßnahmen verbessern ließen. Damals wurden fast alle Dentalprodukte, die in Finnland verkauft wurden, aus Deutschland importiert, und da dachte ich, das könnten wir doch ändern und eigene Produkte herstellen. So beschloss ich, mein eigenes Unternehmen zu gründen.

Der Anfang war bescheiden: Die Behandlerstühle und Instrumentenschränke wurden in einer Garage im Osten Helsinkis hergestellt – mit einem Anfangskapital, das ich mit dem Verkauf meines Segelboots erlöst hatte. Mir war jedoch von Anfang an klar, dass der finnische Markt für Dentalprodukte einfach nicht groß genug war, um darauf aufzubauen, und so wurde ich gleich auf dem internationalen Markt aktiv. Ich bekam gleich die Gelegenheit, Planmecas ersten ergonomischen Behandlerstuhl und Instrumentenschrank auf der Fachmesse IDS in München auszustellen. Die Nachfrage war sofort da, und es gingen Bestellungen aus aller Welt ein.

Finnland war damals ein weißer Fleck auf der Landkarte, und viele Kunden wussten noch nicht einmal, wo das Land überhaupt liegt. Es brauchte daher eine Weile, bis wir uns am Markt etabliert hatten. Wir mussten hart arbeiten, um Finnland auf die Karte zu setzen. Ich beschreibe den Anfang oft als ein Fallschirmspringen ohne Fallschirm – aber der Sprung hat sich wirklich gelohnt.

FINNCHAM :Was ist der Schlüssel zum Erfolg von Planmeca gewesen?

Heikki Kyöstilä: Das Fachwissen meiner Mitarbeiter zu schätzen und die besten Spezialisten in jedem Fachbereich einzustellen, ist das Geheimnis hinter dem Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens. Heute beschäftigt Planmeca nahezu 2900 Mitarbeiter, von denen manche schon seit 20 oder sogar 30 Jahren für das Unternehmen arbeiten. Die Einstellung der richtigen Personen war der Schlüssel, wie auch die Einsicht, ihnen außerdem die Gelegenheit zu geben, über den Horizont ihrer Jobbeschreibung hinaus zu blicken. Ich habe immer an das finnische Know-how und die finnische Ausbildung geglaubt.

Zudem hatten wir vom ersten Tag an einen globalen Ansatz. Planmeca hat sich noch nie von geografischen Grenzen beeindrucken lassen. Wir sind immer bereit gewesen, überall dorthin zu reisen, wo unsere potenziellen Kunden sind. Der Aufbau eines aktiven Vertriebsnetzwerks, die Gründung lokaler Unternehmen zur Unterstützung der Vertriebsleute und die räumliche Nähe zu unseren Kunden sind entscheidende Elemente unseres Erfolgs gewesen. Ich habe es schon immer genossen, unsere Kunden persönlich zu treffen. Es ist wirklich die Würze meiner beruflichen Laufbahn gewesen.

Selbstverständlich läuft es nicht jeden Tag glatt. In Zeiten der Rezessionen und bei anderen Schwierigkeiten haben wir aber härter denn je gearbeitet und versucht, unsere Lösungen an Kunden in jedem Winkel der Erde zu verkaufen – und Dentalprodukte weiterhin mit der neuesten Technologie auszustatten.

Es gibt keine Abkürzungen zum Erfolg. Nichts ist wichtiger als Qualität, und man sollte niemals ein unfertiges Produkt auf den Markt bringen. Ein erfolgreiches Produkt führt oft zur Konzeption weiterer guter Produkte.

FINNCHAM :Heute ist Planmeca Group ein Branchenführer, der aus mehreren erfolgreichen Marken für Gesundheitstechnologie besteht. Die Produkte und Lösungen von Planmeca Group werden in über 120 Länder weltweit exportiert, darunter Österreich. Wie ist die Group auf dem österreichischen Markt positioniert?

Heikki Kyöstilä : Österreich hat einen hoch entwickelten Gesundheitssektor, und österreichische Fachexperte nehmen gerne die neuesten technologischen Innovationen mit. Es freut mich, dass viele leitende Gesundheitsexperte in Österreich die digitalen Lösungen von Planmeca Group gewählt haben – sowohl Planmecas Lösungen für digitale Zahnmedizin als auch die digitalen Mammografie-Geräte und orthopädischen DVT-Einheiten von Planmed.

Um ein Paar Beispiele zu nennen, haben die Universitätszahnklinik in Wien und die Danube Private University in Krems unser digitales Unterrichtskonzept als Teil ihrer zahnmedizinischer Ausbildungsumgebung gewählt. Im veterinärmedizinischen Bereich wurde die Universitätsklinik für Kleintiere an der veterinärmedizinischen Universität Wien mit unserem hochauflösenden DVT-Scanner Planmed Verity® VET für tierärztliche 3D-Bildgebung ausgestattet.

FINNCHAM : In nahezu 15 europäischen Ländern werden Planmeca-Produkte von Plandent, die Division von Full-Service-Handelsunternehmen von Planmeca Group, verkauft. Gerald Dorn, Sie haben lange Erfahrung vom Gesundheitsmarkt in Österreich. Als Geschäftsführer von Plandent Österreich, wie unterscheidet sich das Unternehmen von dem anderen Dentallieferanten auf dem Markt?

Gerald Dorn : Als Geschäftsführer möchte ich die Vorteile unserer starken Muttergesellschaft Planmeca hervorheben. Durch unsere hauseigene Erzeugung können wir beim Kunden mit hochwertigen Produkten und umfassenden Service punkten. Im Vergleich zu uns bieten in Österreich die meisten Handelsunternehmen aus vergleichbaren Bereichen kongruente Produkte von immer gleichbleibenden Herstellern an. Aber gerade beim Support ist es ein Vorteil, wenn man wie wir einen direkten Draht zum Hersteller hat und die Produktion in Europa stattfindet. Wenn wir für einen Kunden ein nichtlagerndes Planmeca-Ersatzteil z.B. für ein Röntgengerät benötigen, ist es overnight aus Finnland da. Versuchen Sie das mal bei einem in Asien gefertigten Gerät.

Wenn ein Händler quasi alle Marken verkauft, ist es schwierig für alle Modelle einen durchgängigen kompetenten Support oder auch Service anzubieten. Deshalb konzentrieren wir uns auf die gängigsten Marken, die auch ein entsprechendes Service bieten, mit einem Schwerpunkt auf Planmeca. Diesen Einsatz honorieren auch immer mehr Kunden wodurch sich zum Beispiel die Universitätszahnklinik Wien bei den Behandlungseinheiten für 80 Planmeca-Stühle entschieden hat.

FINNCHAM : Hatte die Covid-19-Pandemie einen Einfluss auf den Alltagsbetrieb des Unternehmens?

Gerald Dorn : Das vergangene Jahr war wirklich eine Herausforderung, dennoch haben wir uns reibungslos auf die neue digitale Arbeitsweise eingestellt, indem wir alle möglichen digitalen Lösungen nutzen und die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter und Kunden an erste Stelle stellen. Zusätzlich ist es sehr ermutigend, dass Zahnärzte die Zeit der Pandemie genutzt haben, um in neue Technologien zu investieren und ihre Praxen zu modernisieren. Für das Plandent-Geschäft in Österreich war dies ein herausforderndes, aber erfolgreiches Jahr. Einen großen Beitrag dazu leistete die Investitionsprämie der österreichischen Behörden, welche von unseren Kunden sehr begrüßt wurde und in diesen schwierigen Zeiten zum Wirtschaftswachstum in Österreich beitrug.

FINNCHAM : Dieses Jahr feiert Planmeca das 50-jährige Jubiläum. Hat Plandent GmbH besondere Aktivitäten aus diesem Anlass geplant?

Gerald Dorn : Wir haben spezielle Planmeca 50-Jahre-Produkt-Pakete für österreichische Ärzte vorbereitet und laden alle Zahnärzte ein, den Plandent-Showroom zu besuchen und sich mit den neuesten digitalen Dentallösungen vertraut zu machen. Außerdem haben wir zwei geplante Planmeca Digital Perfection-Touren zum Hauptsitz der Planmeca Gruppe in Helsinki im Juni und im September organisiert. Hier laden wir Zahnärzte und zahnmedizinische Studenten ein, um den einzigartigen digitalen Workflow der Planmeca-Produkte kennenzulernen bzw. ihre Kenntnisse in der Anwendung zu vertiefen. Sollten es die aktuellen Maßnahmen der Coronapandemie zulassen, würden wir das Jubiläum gerne mit einer Feier in Wien für unsere Kunden abrunden.

FINNCHAM : Mit welchen medizintechnologischen Lösungen können wir als nächstes von Planmeca Group rechnen, Heikki Kyöstilä?

Heikki Kyöstilä : Unser primäres Ziel ist es, eine bessere Versorgung durch Innovation zu bieten. Wir vertiefen weiterhin unser Wissen, unsere Expertise und unser Engagement in verschiedenen Spezialgebieten, wie Kieferorthopädie, medizinische Bildgebung und neue 3D-Anwendungen. So können wir neue technische Möglichkeiten und Geschäftschancen ausloten. Beispielsweise arbeitet unsere F&E-Abteilung derzeit an einem neuen Ganzkörper-DVT-Scanner und einem Beatmungsgerät. Zu den Zukunftsplänen gehört auch eine Reihe von Lösungen für kieferorthopädische Behandlungen durch ein neues Unternehmen namens PlanSmile.

Zusätzlich arbeiten wir weiterhin mit Forschungsinstitutionen und Universitäten zusammen, um neue Lösungen zu entwickeln, die die alltägliche Arbeit der Gesundheitsexperte beschleunigen. Als Beispiel arbeiten wir gerade mit CleverHealth Network, einem finnischen Gesundheitstechnologie-Cluster, um neue Werkzeuge zur präziseren Diagnose von Gehirnblutung mithilfe unserer intelligenten Algorithmen und KI zu entwickeln.

Besonders stolz bin ich zwar auf unsere Algorithmus-Expertise. Es ist uns bereits gelungen, die Patientendosen erheblich zu senken und die Effekte von Patientenbewegungen zu beseitigen. Wir arbeiten weiter unermüdlich an der Einführung neuer, innovativer Algorithmen, die die Bildqualität weiter verbessern und optimale Grundlage für Diagnose bieten.

FINNCHAM : Im Alter von 75 Jahren, sind Sie aktiv im täglichen Betrieb von Planmeca beteiligt. Ist Pensionierung überhaupt eine Option für Heikki Kyöstilä?

Heikki Kyöstilä: Planmeca ist meine Lebensart, daher sehe ich die Pensionierung gar nicht als eine Option für mich in naher Zukunft. Ich will weiterhin nahe an meinen Kunden und Mitarbeitern bleiben und an allem beteiligt sein, was jeweils im Unternehmen geschieht. Die Zusammenarbeit mit Gesundheitsexperten auf ein gemeinsames Ziel – eine bessere Versorgung – ist echt belohnend.

Planmeca Oy ist in vielen Bereichen der Medizintechnik weltweiter Marktführer mit seinen Produkten, die in über 120 Länder exportiert werden. Was 1971 als kleiner Behandlerstuhl- und Instrumentenschrankproduzent begann, ist heute der weltweit größte Dentalgerätehersteller in Privathand sowie die Muttergesellschaft von Planmeca Group, die aus mehreren erfolgreichen Gesundheitstechnologie-Divisionen besteht. Heuer feiert Planmeca sein 50-jähriges Jubiläum.

By |2021-05-22T21:57:57+00:0022.05.2021|0 Comments

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