Im Porträt: Peter Wukowits, GF Nokia Österreich

  • Nokia ist das international bekannteste Unternehmen Finnlands. Die Geschichte des Konzerns ist sehr wechselhaft. Wo steht Nokia, global betrachtet, heute?

Wenn man bedenkt, dass wir vor mehr als 150 Jahren in Finnland mit der Papierherstellung begonnen hatten, haben wir tatsächlich einen langen Weg hinter uns. Später haben wir es zum Handy-Weltmarktführer geschafft und seit 2014 stellen wir – viele wissen das gar nicht – keine Handys mehr her. Wir beliefern heute Netzbetreiber und andere Unternehmen mit Telekommunikationsnetzen und sorgen durch unsere Technik dafür, dass Handys und andere vernetzte Geräte untereinander kommunizieren können. Das Portfolio reicht von Festnetz- und Glasfasertechnik bis hin zur  Mobilfunktechnik und Software.

  • Stichwort Digitalisierung: Finnland ist hier eines der Führenden Länder, auch dank der Entwicklungsschüben von Nokia. Was ist in den nächsten 5-10 Jahren an Innovationen in Ihrem Sektor zu erwarten?

Wir befinden uns auf dem besten Weg von einer Gesellschaft, die Netze nutzt, hin zu einer Gesellschaft, die auf Vernetzung gründet. Mit 5G haben wir heute die erste Generation Mobilfunktechnik, die nicht nur schnelleres Surfen auf dem Smartphone verspricht, sondern sich in besonderem Maße auch für die Vernetzung von Maschinen, Geräten, Sensoren, Fahrzeugen und Transportmitteln eignet. Das birgt ein enormes Innovations- und Wertschöpfungspotenzial – eine Studie von Nokia Bell Labs geht von 8 Billionen US-Dollar bis 2030 aus. Daran arbeiten wir gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern aus der Industrie sowie mit Universitäten und Forschungseinrichtungen – auch hier in Österreich. Und wir arbeiten tatsächlich auch bereits an 6G. Bis zur Marktreife wird es aber voraussichtlich erst in etwa zehn Jahren kommen.

  • Erlauben Sie uns einen Blick in die nahe Zukunft. In wie weit wird 5G und Digitalisierung unsere Wirtschafts-, und Arbeitswelt nachhaltig verändert? 

Es ist schwierig abzuschätzen, was mithilfe von 5G und Technologien wie etwa künstlicher Intelligenz und Virtual/Augmented Reality alles möglich sein wird. Die Kombination aus extrem schneller Datenübertragung, höchster Zuverlässigkeit und der Möglichkeit, Tausende von Geräten in einer Funkzelle zu vernetzen, eröffnet in beinahe allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft neue Optionen. Eine recht bekannte Vision ist das autonome Fahren und daran arbeiten wir auch zusammen mit Partnern. Weniger bekannt ist, dass wir beispielsweise in der japanischen Küstenstadt Sendai erfolgreich getestet haben, wie (per Mobilfunk gesteuerte) Drohnen eingesetzt werden können, um die Bevölkerung im Falle eines Tsunamis frühzeitig zu warnen. In Österreich kann man sich verschiedene 5G-Projekte am 5G Playground Carinthia ansehen.

  • Zu Österreich: Wie entwickelt sich das Nokia Business in Österreich? Was können Sie uns neues zu Ihrem Kundenportfolio berichten?

Nokia Österreich blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Wir haben wichtige Projekte im 5G-Bereich mit unseren Kunden begonnen und auch wesentliche Meilensteine im Hinblick auf Technologieinnovation (z.B. Network Slicing) setzten können. Das Nokia-Österreich-Team hat auch in diesem für uns alle schwierigen Jahr bewiesen, dass auf uns Verlass ist und wir gemeinsam mit unseren Kunden die Basis für eine zukunftssichere Telekommunikationsinfrastruktur für alle Österreicher*innen sicherstellen können. Wir werden weiter daran arbeiten, unser Produktportfolio technologisch weiterzuentwickeln mit dem Ziel, weiter an der Spitze der Technologieentwicklung zu stehen. In diesem Sinne hat Nokia auch den Lead in der Entwicklung des 6G-Standards im Rahmen des Hexa-6 Projekts der EU übernommen.

  • Kein Interview derzeit ohne die Covid-19 Pandemie anzusprechen. Wie hat dieses Ihre Geschäftsstrategie beeinflusst?

Die Pandemie hat gezeigt, wie sehr wir auf die Vernetzung angewiesen sind. Vor 20 Jahren hätten wir nicht die Möglichkeit gehabt, während eines Lockdowns per Video mit der Familie und Freunden zu kommunizieren. Home Office wäre eine echte Herausforderung gewesen, ebenso Distanzunterricht. Bei unseren Netzbetreiberkunden weltweit hat sich das deutlich im höheren Datenkonsum gezeigt. Teilweise wurden in den Netzen Kapazitätserweiterungen, die die Betreiber für das ganze Jahr geplant hatten, innerhalb weniger Wochen benötigt. Das könnte zu einer Beschleunigung bei bestimmten Netzausbauprojekten führen. Wir sehen aktuell beispielsweise eine Vielzahl von Glasfaser-Projekten in Europa. Die Priorität für uns besteht darin, unsere Kunden zu unterstützen. Wir haben glücklicherweise eine global aufgestellte Supply Chain, die das trotz Pandemie ermöglicht.

  • Zum Abschluss eine obligate Frage: Wieviel Finnland steckt in Nokia Österreich. Und wieviel Österreich steck in Nokia? 

Wie ich persönlich über die Jahre lernen durfte, sind sich die Kulturen von Österreich und Finnland in bestimmten Bereichen sehr ähnlich. In diesem Sinne darf ich auch sagen, dass wesentliche Grundwerte aus Finnland wie z.B. Offenheit, Transparenz, Diversität, die Bereitschaft zu lernen und sich selbst neu zu erfinden auch in Nokia Österreich stecken. Umgekehrt haben wir in Nokia Österreich viele Mitarbeiter*innen, die über die Landesgrenzen hinaus in der globalen Nokia-Familie ihre Kompetenz und ihr Engagement einbringen und so einen wesentlichen Teil zum Erfolg des Unternehmens beitragen.

  • Zum Unternehmen

Nokia entwickelt Technologien für unsere vernetzte Welt. Unser Produktportfolio beinhaltet Netzhardware, Software und Dienstleistungen sowie Lizenzierung. Unter Einhaltung höchster Integritäts- und Sicherheitsstandards tragen wir zu einer produktiveren, nachhaltigeren und integrativeren Welt bei.

Das Unternehmen erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von 23,3 Mrd. EUR und ist in rund 120 Ländern vertreten. Zu den Kunden zählen Kommunikationsdienstleister, deren Netze weltweit rund 6,4 Milliarden Teilnehmer verbinden, sowie Industrieunternehmen aus unterschiedlichen Branchen mit weltweit über 1.300 Netzen.

  • Zur Person 

Peter Wukowits ist seit über 25 Jahren im Telekommunikationsbereich tätig und hatte während dieser Zeit verschiedene lokale und zentraleuropäische Positionen inne. Er war dabei unter anderem für verschiedene M&A-Aktivitäten sowie die strategische Geschäftsentwicklung verantwortlich. Heute leitet Peter Wukowits das Österreich-Geschäft von Nokia. Mit seinem Credo „Technologie ist das Rückgrat der Weiterentwicklung der Gesellschaft“ war und ist er immer daran interessiert, einen Beitrag für die Weiterentwicklung von Technologie zum Nutzen der Menschen zu leisten.

 

By |2021-01-05T19:45:47+00:0005.01.2021|0 Comments

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