Im Interview: Robert Kaup, Geschäftsführer TietoEVRY

– Der Konzern firmiert seit kurzem als TietoEVRY. Wie kam es dazu? Was wird anders?

Tieto und EVRY sind seit vielen Jahren etablierte Digitaldienstleistungsunternehmen, die beide ihren Ursprung in den nordischen Ländern haben – Tieto in Finnland, EVRY in Norwegen. Beide Firmen weisen eine ähnliche Unternehmenskultur und Werte wie Offenheit, Vielfalt, Nachhaltigkeit und Innovationsgeist auf. Sie überschnitten sich auch inhaltlich zum Teil stark – jedoch, insbesondere jenseits der nordischen Länder, kaum im Sinne von regionalen Präsenzen. Genau darin wurde ein großes Potential erkannt, denn KundInnen profitieren nun sowohl von gebündeltem Knowhow, Synergieeffekten und einer vergrößerten Anzahl an ExpertInnen, als auch von einem geografisch dichteren und solideren Netz an lokalen Präsenzen. Beispielhaft sind hierbei die stärkeren Kapazitäten durch Nearshore-Zentren zu nennen, die es unseren KundInnen jetzt noch besser als zuvor ermöglichen, auch große und komplexe Projekte wirtschaftlich und effizient zu verwirklichen.  

– Welchen Stellenwert hat die Firma in Österreich? Wie teilt sich das Kundensegment auf? Wo liegen zukünftige Potentiale?

Die Österreich-Niederlassung liefert seit 15 Jahren einen soliden, wirtschaftlichen Beitrag zur Gesamt-Performance der Corporation, und die drei Österreich-Standorte in Wien, Linz und Graz gewinnen mehr und mehr MitarbeiterInnen – dieses Jahr knacken wir voraussichtlich die 200-Personen-Marke. Darüber hinaus haben wir hochkarätige ExpertInnen im Österreich-Team, die in der grenzübergreifenden Weiterentwicklung von Digitalisierungs-Innovationen wertgeschätzt werden. Das verschafft uns im Konzern ein hohes Ansehen. 

In Österreich bedienen wir eine Reihe von Kundensegmenten – in Branchenhinsicht liefern wir insbesondere der produzierenden bzw. Prozess-Industrie, dem öffentlichen Bereich, dem Telekommunikations- und Finanzdienstleistungs-Sektor sowie der Energiewirtschaft Digitalisierungs-Expertise auf höchstem Niveau. In den genannten Bereichen pflegen wir langjährige Partnerschaften zu namhafter Kundschaft, wie beispielsweise A1, ASFINAG, BAWAG P.S.K. oder Mondi.

Wir erkennen eine Reihe von Potentialen im Bereich der Digitalisierung. Dazu gehört das Outsourcing des Application Management mitsamt Trendbewegungen wie DevOps und Automatisierung. Das Data Management und die Transformation zu Cloud-Lösungen ist ein massives Thema, das praktisch niemanden unberührt lassen wird. Usability und erfolgreiche Customer Experience birgt ebenfalls große Potentiale für praktisch alle Players am Markt – schon allein durch stetig steigende Ansprüche von Nutzern und Anwendern, auch im B2B-Umfeld.

– Welche besonderen Produkte und Lösungen bietet TietoEVRY genau an? Besondere Highlights aus der letzten Zeit? 

Als SAP-Beratungshaus, das sich flexibel auf individuelle Kundenbedürfnisse und -situationen einstellt, sehen wir die große Notwendigkeit zahlreicher Unternehmen an professioneller Begleitung in diesem Bereich; nicht zuletzt aufgrund der nächsten Generation, SAP S/4HANA. Unsere Scrum Masters und Agile Coaches begleiten Unternehmen auf ihrem Weg zur tatsächlichen Etablierung agiler Organisationen. Als (Integrations-)Partner großer Herstellermarken macht TietoEVRY den erfolgreichen Roll-Out von Lösungen möglich – beispielhaft kann ich hier Microsoft Azure sowie Office 365, Salesforce und große Customer Experience-Anbieter wie Genesys nennen. Nicht zuletzt liefern wir für Industriekunden dedizierte Lösungen, mitunter im IoT- sowie im Mixed Reality-Bereich.

– Stichwort digitale Transformation: Welche Trends und Entwicklungen sehen Sie ganz generell? Wie sehen hier die kurzfristigen und mittelfristigen Unternehmens-Strategien aus? 

Spontan fällt mir eine besonders herausfordernde Entwicklung ein: jene des Fachkräftemangels in der IT. Er macht es auch künftig erforderlich, als Arbeitgeber die Extrameile zu gehen, sich positiv von der Masse abzuheben. Das kann durch eine zeitgemäße, faktisch gelebte agile Organisationsform sein, wie wir sie bei TietoEVRY haben. Sie impliziert Autonomie, Sinn und Zweck im täglichen Handeln jedes Mitglieds des Unternehmens und das Schaffen einer Umgebung, in der persönliches Wachstum begünstigt wird. Wie hier die Strategien der Unternehmen aussehen? Ich denke, dass viele bereits den Bedarf, in diesem Bereich besser zu werden, erkannt haben. Die Zeit wird eher früher als später zeigen, wer das Rennen um die besten Fachkräfte machen wird.

– Sie sind beruflich oft in Finnland: Welche positiven Aspekte sehen Sie in den Wirtschaftsbeziehungen und Kooperationsmöglichkeiten mit Österreich? 

Speziell in Bezug auf die finnische Mentalität fallen mir diverse Ähnlichkeiten auf, die die Kooperation sehr unkompliziert und effizient machen. Wie die meisten Österreicher sind die Finnen sehr freundlich, aber nicht überbordend herzlich – authentisch eben, was ich als Österreicher sehr schätze. Ich erlebe die Finnen im geschäftlichen Sinne als zielstrebig, ergebnisorientiert, qualitätsbewusst und service-orientiert und arbeite – nicht nur deshalb – äußerst gerne mit ihnen zusammen. TietoEVRY ist stolz auf die nordischen Wurzeln, unter anderem weil wir dadurch ein natürliches Verständnis für Innovationen in unserer Unternehmens-DNA verankert haben. Finnland ist oft Vorreiter und Vorbild, was Technologien und Digitalisierung betrifft. In meinen Augen ist das mehr als bloßes Image. 

Zum Unternehmen

TietoEVRY Austria

Als Österreich-Tochter des größten nordeuropäischen IT-Dienstleisters TietoEVRY kombiniert TietoEVRY Austria globale Ressourcen – bestehend aus 24.000 Mitarbeitenden global – mit lokaler Präsenz durch rund 200 ExpertInnen. Neben der Digitalisierungs-Expertise hebt sich TietoEVRY Austria, selbst ein agiles Organisationsmodell lebend, von anderen IT-Dienstleistern durch die hohe Kompetenz bei der Beratung zur Organisationsentwicklung im Zuge von digitalen Transformationsprozessen ab. Die Vision des Digitalisierungs-Experten ist eine Welt, in der Organisationen und ihre Stakeholder die Vorteile der Digitalisierung sinnvoll nutzen. Kunden von TietoEVRY sind Organisationen des privaten und öffentlichen Bereichs, die unterschiedlichsten Unternehmen, Verbrauchern und Bürgern wertvolle Dienstleistungen anbieten.

Zur Person (Robert Kaup)

Robert Kaup, gebürtig aus Wien, übernahm mit Mai 2019 die Geschäftsführung von TietoEVRY Austria. Der erfahrene Digitalisierungs-Profi ist seit 14 Jahren in internationalen Funktionen des IT-Dienstleisters tätig, bis zur Übernahme der Rolle des Managing Director der Österreich-Niederlassung als Head of SAP Enterprise Applications bei TietoEVRY. Er hat über 20 Jahre Leadership-Erfahrung in der IT-Branche vorzuweisen.

By |2020-05-25T20:48:46+00:0025.05.2020|0 Comments

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