Im Interview: Martina Hölbling, ABA – Invest in Austria

  • Was genau ist die ABA-Invest in Austria und welche Services, Dienstleistungen bietet Ihre Organisation an? 

ABA – Invest in Austria ist die offizielle Betriebsansiedlungsagentur der Republik Österreich & eine Tochtergesellschaft des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort.

Wir beraten Unternehmen sowie Investoren (einschl. Fonds), die in Österreich eine Gesellschaftsgründung oder einen Unternehmenszukauf (M&A) als Markteintritt planen. Wir betreuen aber auch bereits in Österreich ansässige ausländische Unternehmen bei Expansions-, F&E sowie M&A-Projekten. Hierbei handelt es sich meist um kleinere Transaktionen, bei denen wir mit unserem M&A-Berater-Netzwerk zur Seite stehen. Unser Beratungsangebot deckt sämtliche Fragen rund um den Wirtschaftsstandort Österreich ab. Dies beinhaltet u.a. folgende Themenstellungen: Standortauswahl, arbeits- und steuerrechtliche Fragen, Beratung zu Förderungen und Finanzierungen, Mitarbeitersuche, Identifikation von Kooperationspartnern sowie Unterstützung im Kontakt mit Behörden. Für Unternehmen entstehen keine Kosten, denn die Kosten unserer Beratungsleistungen werden von der Republik Österreich übernommen.

  • Welche Besonderheiten sehen sie für den Standort Österreich, einem doch kleineren Land in der EU?

Mit Österreich verbinden viele vor allem Skifahren, Kunst und Kultur. Österreich ist jedoch vor allem auch ein Industrieland, in dem die Industrie rund 30 % zum BIP beiträgt, und dies ist das 2- bis 3-fache der touristischen Wertschöpfung im Land. Das Niveau der Industrieproduktivität ist in Österreich traditionell hoch. Österreichs Industrie erzielte in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich hohe Produktivitätssteigerungen. Die wichtigsten Produktionszweige sind der Maschinenbau samt Metallbe-/verarbeitung, die Fahrzeugindustrie, die Elektro-/Elektronikindustrie sowie die Chemische Industrie. Österreich ist auch das Land der „Hidden Champions“. Im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl beherbergt Österreich die meisten Weltmarktführer. Es gibt hierzulande sehr viele hochinnovative mittelständische Unternehmen, oftmals auch in Familienbesitz. Und viele der Unternehmen, die hier produzieren, forschen auch am Standort. Der Staat bietet hier eine Vielzahl von Förderinstrumenten an, die im europäischen Vergleich hoch kompetitiv sind. Ausländische Unternehmen tragen zu über 50 % der österreichweiten Corporate F&E-Ausgaben bei und beschäftigen rund 40 % des F&E-Corporate-Personals. Dies belegt klar, dass ausländische Unternehmen auf den Forschungsstandort Österreich setzen.

Eine weitere Besonderheit ist Österreichs zentrale Lage. Wenn es um den Aufbau von Geschäftsbeziehungen mit Ost- und Südosteuropa geht ist Österreich Standort Nummer Eins. Mittlerweile legen knapp 380 Headquarters davon Zeugnis ab. Die dynamischen Märkte Ost- und Südosteuropas sind Anziehungspunkt für multinationale Firmen. Hinzu kommt, dass für das internationale Business in Österreich mehr qualifizierte Fachkräfte mit Fremdsprachen-Kenntnissen als in anderen westeuropäischen Ländern zur Verfügung stehen. Rund 20 % der Bevölkerung haben Migrationshintergrund, und drei Viertel aller Migranten in Österreich stammen aus Mittel- und Osteuropa. Diese Zuwanderer sind überdurchschnittlich gut ausgebildet und sprechen im Schnitt drei Sprachen.

  • Ausländische Firmen interessiert besonders das Thema „Förderungen und Finanzierungen“. Können Sie das Angebot der ABA – Invest in Austria hier präzisieren?

Gemeinsam mit Netzwerkpartnern und den Regionalagenturen in den neun Bundesländern bieten wir ausländischen Unternehmen Förderchecks an, bei denen die Fördermöglichkeiten sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene geprüft werden. Neben den wichtigsten staatlichen Anlaufstellen wie der FFG (Forschungsförderungsgesellschaft), der Förderbank des Bundes AWS (Austria Wirtschaftsservice) sowie der KPC (Kommunalkredit Public Consulting) vermitteln wir auch Kontakte zu Banken. Die Förderinstrumente sind vielfältig und decken alle Entwicklungsphasen eines Unternehmens ab: Pre-Seed-Programme, staatliche VC-Fonds, nicht-rückzahlbare Zuschüsse, Garantien/Haftungen, begünstigte Kredite, sowie die steuerliche Förderkomponente, sprich die Forschungsprämie von 14 %.

Österreich ist hinsichtlich Förderungen, vor allem im F&E-Bereich, im europäischen Vergleich sehr gut aufgestellt, was für ausländische Unternehmen zusätzlich ein wichtiger Anreiz ist. 3,4 % aller Unternehmen hierzulande kommen aus dem Ausland. Auf diese Unternehmen entfallen mehr als 50 % aller Corporate F&E-Investitionen in Österreich, 29 % des Produktionswertes sowie 20 % aller Corporate-Beschäftigten.

  • Sie reisen viel durch europäische Länder. Welche Erfahrungen hatten Sie bisher in Finnland? Gibt es Besonderheiten?

Ich habe Finnland über meine berufliche Tätigkeit entdeckt. Finnen sind offen in Hinblick auf Austausch sowie konstruktive direkte Abstimmungen in einem besonders angenehmen Gesprächsklima über konkrete Kooperationsmöglichkeiten. Der Zugang zum Top Management gestaltet sich einfach. In sehr flachen Hierarchien werden rasch Entscheidungen getroffen, und diese sind immer zielorientiert und aufs Konkrete ausgerichtet. Große Distanzen können einfach und bequem im perfekt ausgebauten Netz der öffentlichen Verkehrsmittel (v.a. Züge) zurückgelegt werden. Hierbei bewundert man die Schönheit der Natur, die unglaubliche Weite und Freiheit. Es ist ein wunderschönes Land – wie Österreich mit einer sehr hohen Lebensqualität – das nachhaltig auf allen Ebenen positiv überrascht und begeistert.

  • Welche Pläne haben Sie für die zukünftige Zusammenarbeit mit finnischen Firmen?

Wir sind besonders froh über die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der FINNCHAM Österreich und möchten uns bei dieser Gelegenheit bei ihrem Präsidenten Johannes Axnix sehr herzlich bedanken. Unser besonderer Dank gilt auch der finnischen Botschafterin Pirkko Hämäläinen in Wien. Neben diesen wichtigen Partnerschaften freuen wir uns auch sehr über die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit Business Finnland in Wien sowie den lokalen Kammern vor Ort in Finnland, mit denen wir im vergangenen Jahr einige Veranstaltungen umgesetzt haben. Wir wollen dies gerne fortsetzen und stehen sowohl den bereits angesiedelten finnischen Unternehmen als auch neuen Investoren mit Rat und Tat zur Seite.

Über das Unternehmen:

ABA – Invest in Austria ist die Betriebsansiedlungsagentur der österreichischen Standortagentur Austrian Business Agency (ABA), die zum Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) ressortiert. Mit ihren drei Abteilungen ABA – Invest in Austria, ABA – Work in Austria und Location Austria bewirbt die Standortagentur Österreich im Ausland als Wirtschafts- und Forschungsstandort, als attraktiven Arbeitsmarkt für Fachkräfte sowie als Drehort für internationale Filmproduktionen.

„Zur Person“ (Martina Hölbling)

DI Dr. Martina Hölbling ist Direktorin Westeuropa, M&A, VC/PE bei ABA – Invest in Austria.

Sie betreut in ihrer Funktion als Investment Expertin ausländische Investoren, Unternehmen aber auch Fonds und Startups aus den Nordischen Ländern/Skandinavien, der Schweiz, Frankreich sowie den Benelux-Staaten bei der Gründung, Expansion, M&A-Transaktionen sowie F&E-Projekten Ihrer Unternehmungen in Österreich.

Sie ist im Advisory Board eines Life Sciences Startups aktiv. Zuvor war sie im Bereich Business Consulting, Banking/VC sowie der Industrie in Österreich und im Ausland tätig.

Sie hat an der TU-Wien in Technischer Chemie promoviert.

(c) Lakeside Park, G.Steinthaler

Carinthia_(c)Lakeside Park, G.Steinthaler
By |2020-03-19T19:19:15+00:0015.03.2020|0 Comments

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